Der Dichter als Ameise – Poetologischen Reflexionen bei Brun von Schönebeck

Im Jahr 1276 verfasst Brun von Schönebeck eine Neudichtung und Erklärung des biblischen »Hoheliedes«. In diesem Werk fließen antike und mittelalterliche Traditionen, lateinische und volkssprachliche Literatur, theologisches und philosophisches Wissen zu-sammen und werden von einem stets präsenten »ich« moderiert, kombiniert und kontrastiert. Diese literarische und exegetische Souveränität im Umgang mit dem biblischen Text ist für einen weltlichen, adligen Autor erstaunlich und macht Bruns »Hohelied« zu einem besonders interessanten Zeugnis für die spätmittelalterlichen Dynamisierungen zwischen höfischen und geistlichen Interessen und Schreibweisen.
Die Vielfalt der Bilder, Metaphern und Parallelen, mit denen der Erzähler seine Tätigkeit reflektiert, sind auch als Ermächtigungsstrategie innerhalb eines zumeist noch lateinischen theologischen Diskurses mit Mitteln der volkssprachlichen weltlichen Literatur zu verstehen. Die Art und Weise zu analysieren, wie sich der Text durch seine poetologischen Reflexionen und ihre oftmals provokanten Bilder in der literarischen und gelehrten Tradition und Kultur positioniert, verspricht interessante Erkenntnisse für dieses noch kaum erschlossene Werk und die volkssprachlichen Aneignungen der Bibel im späten Mittelalter.

Antragsteller

Ruhr Universität Bochum: Prof. Dr. Rabea Kohnen
Fakultät für Philologie
Germanistisches Institut

Förderlinie: Anschubförderung
Fördermittel: 6.893,00 Euro
Laufzeit: 01.10.2018-30.09.2019

Ansprechpartner

Prof. Dr. Rabea Kohnen
Fakultät für Philologie
Ruhr Universität Bochum
Universitätsstr. 150
44780 Bochum

E-Mail:rabea(dot)kohnen(at)rub(dot)de