Problematische Verwandtschaft. Familienverhältnisse zwischen Biologie und Gesellschaft

Verwandtschaft stellt einen wichtigen Gegenstand und gleichzeitig einen zentralen Begriff der Auseinandersetzungen um Anlage und Umwelt, Vererbung und kulturelle Prägung in zeitgenössischen Gesellschaften dar. Während einerseits die Diskreditierung biologistischer Gesellschaftsmodelle nach 1945 sowie das Aufkommen alternativer familiärer Lebensformen etablierte Vorstellungen von Verwandtschaft als eines natürlichen, biologisch begründeten Verhältnisses zweier Menschen zueinander ins Wanken gebracht haben, lassen sich im Zusammenhang der neuen Debatten um Genetik, Reproduktionstechnologien und Vererbung andererseits auch Tendenzen einer „Renaturalisierung“ von Verwandtschaft erkennen. Das Projekt widmet sich anhand von Fallstudien zur Geschichte des Inzests und zur Geschichte der Adoption in Deutschland im 20. Jahrhundert zwei Phänomenen, in denen Fragen von Natur und Kultur besonders strittig waren und zu umfangreichen rechtlichen, politischen und alltagspraktischen Konflikten führten. Es leistet damit in einer sozial- und kulturhistorischen Perspektive einen Beitrag zu einer allgemeinen Geschichte der Anlage-Umwelt-Debatte als einem zentralen Spannungsfeld in der Strukturierung und Selbstreflexion gesellschaftlicher Prozesse.

Antragsteller

Ruhr-Universität Bochum: Prof. Dr. Till Kössler, Fakultät für Erziehungswissenschaft und Philosophie

Förderlinie: Anschubförderung
Fördermittel: 44.390,00 Euro
Laufzeit: 01.07.2015-31.01.2016

Ansprechpartner

Prof. Dr. Till Kössler
Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Erziehungswissenschaft und Philosophie
44780 Bochum

Telefon: +49(0)234-32-25731
till.koessler@rub.de