Urbaner Sound für eine gesundheitsfördernde Stadtentwicklung?

MERCUR fördert mit rund 200.000 Euro Studie über den Zusammenhang von Soundscapes und Gesundheit in der Metropole Ruhr

Essen, 22.08.18. Die Geräuschkulisse urbaner Räume ist seit Jahren ein Thema der Stadtentwicklung. Im Kontext der Gesundheitsforschung wurde sie allerdings bisher auf den Risikofaktor Lärm beschränkt. Klanglandschaften (Soundscapes) umfassen dagegen die Gesamtheit aller hörbaren Klänge, wie beispielsweise natürliche, menschliche, technische und musikalische Klänge, in einer räumlich begrenzten Umgebung. In dem von MERCUR geförderten Projekt analysieren Forschende des Zentrums für urbane Epidemiologie des Uniklinikums Essen gemeinsam mit ihren Kollegen von der Fakultät für Raumplanung an der Technischen Universität Dortmund die Zusammenhänge zwischen Soundscapes und Gesundheit im Ruhrgebiet.

Lärmbelästigung ist als Gesundheitsrisiko ein weltweit anerkanntes Problem und spielt  +insbesondere in urbanen Räumen eine große Rolle. So gelten der motorisierte Straßen-, Schienen- und Luftverkehr als bedeutendste Lärmquellen. Die gesundheitlichen Auswirkungen, wie ein erhöhtes Schlaganfall- oder Herzinfarktrisiko sind Gegenstand vieler Studien. Deutlich weniger Studien befassen sich allerdings mit den Auswirkungen weiterer Geräusch- oder Klangquellen. Ein besseres Verständnis, wie Soundscapes die Gesundheit beeinflussen, ist jedoch eine wichtige Perspektivänderung im Vergleich zur traditionellen Lärmforschung und für die zukünftige Planung von urbanen, gesundheitsförderlichen Lebensräumen zentral.

Hier setzt die Studie der Ruhrgebietsforscher/innen an: Ziel ist es, die urbane Geräuschkulisse zu typisieren und den Zusammenhang dieser verschiedenen Soundscapes auf die Gesundheit zu analysieren.

Die Forscher/innen planen den Aufbau einen der größten multi-saisonalen urbanen Soundscapes Datensätze. Dazu werden unterschiedliche Erhebungs- und Analyseverfahren eingesetzt. Die Ergebnisse werden dann mit den Daten der bevölkerungsbezogenen Heinz Nixdorf Recall (HNR) Studie zusammengeführt, die in einer Langzeituntersuchung die Gesundheit von Menschen im Ruhrgebiet sowie städtische Risikofaktoren erfasst.

„Wir planen umfangreiche zeit-, und raumbezogene Schallmessungen durchzuführen und zu kategorisieren. Zudem werden Probanden zu ihren Präferenzen von Soundscapes befragt. Untersuchungsgebiete sind Stadteile von Bochum, da für diese Teilräume vielfältige Gesundheits- und Sozialdaten aus der HNR Studie vorliegen“, so Prof. Dr. rer. nat. Susanne Moebus, Leiterin des Zentrums für urbane Epidemiologie am Universitätsklinikum Essen.

„Durch die interdisziplinäre Forschung der komplexen Zusammenhänge gesundheitsbezogener Einflüsse einer Metropolregion werden zahlreiche neue Ergebnisse gewonnen, die zur Gesamtentwicklung von Stadt und Gesundheit nachhaltig beitragen“, sagt Prof. Dr. Dietwald Gruehn, Fakultät für Raumplanung an der Technischen Universität Dortmund.

Die Förderung des Projektes trägt in großem Umfang zur Etablierung des anvisierten  Forschungsbereiches „Healthy Urban Soundcapes“ bei, der das interdisziplinäre Kompetenzfeld „Metropolenforschung“ der Universitätsallianz Ruhr stärken wird.

Weitere Informationen zu MERCUR:

www.mercur-research.de

Mercator Research Center Ruhr

Das 2010 gegründete Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) fördert die Kooperation zwischen der Ruhr-Universität Bochum, der Technischen Universität Dortmund und der Universität Duisburg-Essen, die seit 2007 in der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) verbunden sind. Mit seinen Programmlinien unterstützt MERCUR Wissenschaftler/innen, Institute, Fakultäten und die Verwaltungen der drei Hochschulen dabei, sich universitätsübergreifend insbesondere in der Forschung, aber auch in der Lehre und im Hochschulmanagement zu vernetzen. Darüber hinaus initiiert MERCUR in der Region Projekte, mit denen es die Rahmenbedingungen für die Wissenschaft im Ruhrgebiet verbessern und deren Austausch mit Wirtschaft und Politik vorantreiben will.

Für weitere Presseanfragen wenden Sie sich bitte an:

Isabell Hilpert
Kommunikationsmanagerin
Mercator Research Center Ruhr
Tel.: +49 (0) 201 616 965 11
E-Mail: isabell.hilpert@mercur-research.de