Zu Gast in der neuen Lern- und Forschungsfabrik (LFF) des Lehrstuhls für Produktionssysteme der Ruhr-Universität Bochum

Die Mitglieder des MERCUR Science Policy Network trafen sich am 10. Juli 2018 im Rahmen ihres zweiten Zwischentreffens in der neuen Lern- und Forschungsfabrik des Lehrstuhles für Produktionssysteme an der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Dort erhielten die Wissenschaftler und Ministerialbeamten einen Einblick in die Arbeitsprozesse der Industrie 4.0 und erfuhren, welche neuen Möglichkeiten durch die technologischen Entwicklungen im Rahmen der Digitalisierung entstehen. Weiterhin ging es auch um die Auswirkungen von Industrie 4.0. auf die unterschiedlichsten Bereiche der Arbeitswelt und der dadurch ausgelöste strukturelle Wandel gestaltet werden kann.

Lehrstuhl-Inhaber Prof. Bernd Kuhlenkötter von der RUB erläuterte seinen Gästen, wie hilfreich die digitale Simulation von Arbeitsprozessen in der Fertigung sein kann. Sie wäre nicht nur viel sicherer, sondern auch bedeutend günstiger als die Entwicklung eines Prototyps. Zudem beleuchtete Kuhlenkötter verschiedene Szenarien der digitalen Produktion und der Rolle des Menschen darin. So reicht heute zur Montage vieler Bauteile ein humanoider Roboter aus, wogegen früher der Einsatz mehrerer Arbeitskräfte erforderlich war. Daraus entstand eine spannende Diskussion, einerseits zu Fragen wie Menschen mit solchen Robotern zusammen arbeiten können und welche Fähigkeiten sie dafür benötigen und andererseits wie man insbesondere Arbeitern und Betriebsräten die Angst vor Digitalisierungsprozessen und der damit verbundenen Datensammlung nehmen kann.

Prof. Dr. Uta Wilkens, die den Lehrstuhl Arbeit, Personal und Führung an der RUB innehat, sprach über die konkrete Umsetzung solcher Veränderungsprozesse in Unternehmen und Behörden. Sie stellte Möglichkeiten vor, wie solche Prozesse als disruptiver Wandel oder als gentle slope gestaltet werden können und wie dadurch neue Unternehmenskulturen entstehen. In jedem Fall ist es laut Wilkens entscheidend, die Wandlungsbereitschaft im Unternehmen zu fördern, mit Unsicherheiten umgehen zu lernen und funktionierende Arbeitsroutinen nicht zu früh zu verwerfen. Als wichtigste Führungskompetenz für die Zukunft verwies sie aber auf empowerment, das darauf abhebt, die Stärken und Potenziale der Mitarbeiter zu fördern und ihnen viele Freiräume für die Gestaltung ihrer Arbeitsabläufe zu geben.

Das Feedback der Teilnehmer nach dem Besuch in der Lern- und Forschungsfabrik war einhellig positiv: Wir haben einen interessanten Einblick in das Thema Industrie und Arbeit 4.0. erhalten und damit einen spannenden Ausblick auf das, was uns erwartet und wie man damit umgehen sollte.